25.01.2020
Wasserstoff – Der Kraftstoff der Zukunft: Mobilität im 21. Jahrhundert - Ein Vortrag von Ben Kraaijenhagen und Prof. Thomas von Unwerth

Die klare Botschaft von Prof. Dr.-Ing. Thomas von Unwerth, der sich seit vielen Jahren mit dem Energieträger Wasserstoff auseinandersetzt heißt: Wasserstoffautos sind keine Utopie, sondern in greifbarer Nähe. Ist er doch selbst mit dem Wasserstoffauto von Chemnitz nach Planegg gereist. Ohne Probleme, mit einem Tankstopp in Nürnberg. Inzwischen gibt es 103 Tankstellen deutschlandweit und der Ausbau der Infrastruktur wird weiter vorangetrieben. Die Reichweite einer Tankfüllung liege bei 400 km, je nach Fahrprofil.

Der Vorteil einer Wasserstoffbetriebenen Brennstoffzelle ist vielseitig. Sie produziert als Abgas reinen Wasserdampf. Die Zelle besteht aus wenigen Elementen, ist leicht zerlegbar und somit gut recyclebar. Wasserstoff sei, z.B. als Abfallprodukt der chemischen Industrie, nahezu unbegrenzt zur Verfügung und das Ammenmärchen, dass er sich verflüchtigen würde, sei längst überwunden, da er gasförmig getankt wird (und dies in kürzester Zeit). Einen weiteren wichtigen Aspekt betonte Prof. von Unwerth. Die Umschulungsmöglichkeiten der vielen Menschen, die in der Automobilbranche arbeiten, in Richtung Wasserstofftechnologie sei wesentlich besser als in Richtung Elektromobilität, da die Technik viel ausgefeilter und personalintensiver sei. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung seien neben dem Nutzen für die Umwelt auch die Patente, die für Deutschland durch die Forschung entstünden.

Um den Einstieg in alternative Konzepte voranzutreiben sei es wichtig, zunächst mit der Elektromobilität fortzufahren. Auch wenn die Nachteile der Batterieentsorgung, der mühsamen Ladetechnik und der noch nicht ausreichenden Versorgung mit ‚grünem Strom’ in Kauf genommen werden müssten, so Prof. von Unwerth. Die Forschungen in Richtung Wasserstoff-Brennstoffzelle laufen auf Hochtouren, es gibt bereits viele Auto-Modelle im japanischen und chinesischen Raum, die im Einsatz sind. Sogar Busflotten werden inzwischen damit ausgerüstet. Ziel sei aber ganz klar die Wasserstoff-Brennstoffzelle.

Die Frage, ob man den Diesel nicht ‚salonfähig’ machen könne, beantwortete Prof. von Unwerth mit einem klaren „Nein“. Beim Verbrennen entstehen immer CO2, Ruß und andere schädliche Mikropartikel, das sei physikalisch nicht zu ändern. Ferner sei das Öl endlich und regenerative Energien notwendig.

Ben Kraaijenhagen schilderte in seinem Vortrag anschaulich die enorme Wichtigkeit des Umdenkens hinsichtlich der Mobilität. Bereits im August hätten wir weltweit den von der Erde zu verkraftenden CO2 Ausstoß erreicht. Es gebe nur eine Erde, und nicht 1,5 oder gar zwei. Der sogenannte ‚Green Deal’ sei nur mit einer klaren Vision und einem Drehbuch zu erreichen. Die Menschen bräuchten Alternativen, die funktionieren, und keine Verbote. Man müsse z.B. mehr Zeit einplanen, um von A nach B zu kommen, er nennt es ‚Destressing’. Er wünsche sich, dass der Mensch nicht zum Verhinderer großer Ideen wird, sondern Visionen entwickelt, wie Mobilität im 21. Jahrhundert aussehen könne.

Ideen gibt es bereits in vielerlei Städten. Auch Planegg könne in der Bahnhofstrasse durch Verkehrsberuhigung und der Schaffung von ‚Lebensraum’ zum Vorreiter für andere Gemeinden werden. Ziel müsse es sein, die Städte von Fahrzeugen soweit möglich zu befreien, um Lebensqualität zu erhöhen.

Das Wichtigste, was wir brauchen ist eine Vision und ein Drehbuch dazu, ‚geht’s ned, gibt’s ned’, so abschießend der stellvertretende Landrat Otto Bußjäger, der die Diskussion leitete.